Britische Musiker gründen eigenen Verband
Oktober 6, 2008 von Praktikantin
Die Musikbranche ist in heller Aufregung. Die großen Plattenfirmen, die oftmals über Wohl und Leid ihrer unter Vertrag stehenden Musiker entschieden, müssen nun mit kräftig Gegenwind rechnen. Die großen Stars der Branche wie Robbie Williams, die Kaiser Chefs, Iron Maiden, Craig David, David Gilmure oder Radiohead haben am Samstag, dem 4. Oktober 2008, in London ihren eigenen Verband gegründet. Ziel des neuen Interessenverbands ist, dass die Künstler wieder mehr Kontrolle über das Musikgeschäft gewinnen. Mehr als sechzig englische Künstler und Bands haben sich im Verband „Features Arists’Coalition“ zusammengeschlossen. Sie wollen die Musikkonzerne unter Druck setzen, um bessere Konditionen für ihre Arbeit heraus zuholen.
Die Gründer des Interessenverbands wollen den Künstlern und Bands eine gemeinsame und starke Stimme gegenüber den Plattenfirmen geben. So will sich der Verband dafür stark machen, dass die Künstler ihr Urherberrecht zurückbekommen und dieses dann an ihre Plattenfirma „vermieten“, so jedenfalls die Idee. Außerdem fordern sie von der Musikindustrie mehr Informationen und Transparenz, damit jeder Künstler nachvollziehen kann, wann, wie und wo ihre Musik genutzt wird. Und natürlich geht es auch um einen höheren Anteil an den Einnahmen, der durch die Vermarktung der Musik erzielt wird.
Im Zeitalter digitaler Medien wird die Musik heue auf vielen unterschiedlichen Wegen verkauft, ohne das die Musiker daran beteiligt werden. Zurecht fühlen sich viele ignoriert und ausgenutzt. In den vergangenen Jahren haben bereits mehrere Künstler und Bands den Schritt ins Internet gewagt. Viele kleinere, aber auch weltweit erfolgreiche und berühmte Bands wie Radiohead oder Oasis haben ihre Songs und Alben im Internet veröffentlicht – ohne die Plattenfirmen daran zu beteiligen.
Für die Musikindustrie ist der Zusammenschluss besonders dramatisch. Die Plattenindustrie steht massiv unter Druck. Die CD-Verkäufe fallen seit Jahren kontinuierlich und die legalen Download-Angebote können die entstandene Lücke nicht füllen. Die Konzerne führen diese Entwicklung auf das Angebot ausufernder, illegaler Kopien im Internet zurück. Da der Verkauf der eigentlichen Musik immer unlukrativer geworden ist, ist das Geschäft mit Merchandising-Artikeln und Konzerten zur Haupteinnahmequelle der Plattenkonzerne geworden.
Da sich viele bekannte Künstler bereits längere Zeit sehr unzufrieden über die Behandlung der Konzerne geäußert haben, war der Schritt zur Gründung eines eigenen Verbands ein logischer Schritt, um ihre Interessen gegenüber der Musikindustrie zu bündeln und besser zu vertreten. Besonders markant symbolisiert der Wechsel von Madonna 2007 von ihrer langjährigen Plattenfirma Warner Music zum US-Konzertveranstalter Live Nation diese Entwicklung.






Kommentare zu »Britische Musiker gründen eigenen Verband«: